Der stille Rückzug: Ein Erfahrungsbericht

Vor kurzem habe ich das Buch „Islam in der Krise: Eine Weltreligion zwischen Radikalisierung und stillem Rückzug“ von Dr. Michael Blume gelesen. Dieser Beitrag ist keine Rezension des Buches sondern eine Beschreibung des stillen Rückzugs der Muslime, den Dr. Blume in seinem Buch thematisiert. Ich kann jede Person, die Interesse an dem Thema hat und öfter über die Thematik diskutiert, empfehlen, das 192seitige Buch zu lesen.

„Warum dieser Beitrag?“ werden sich einige fragen. In einer Diskussion mit einigen Nicht-Muslim*innen nach der Bucherscheinung ist mir zum ersten Mal richtig klar geworden, dass die meisten Nicht-Muslim*innen sich nicht darüber im Klaren sind, wie sehr Muslim*innen im Alltagsleben ihren religiösen „Pflichten“ nachgehen- bzw. den Vorstellungen von islamischen Vorschriften eben nicht nachgehen. Mir ist aufgefallen, dass die meisten Nicht-Muslim*innen davon ausgehen, die meisten Religiösen würden tatsächlich ihren täglichen fünf Gebeten nachgehen, was mir ziemlich abstrus erschien. Denn ich kenne niemanden aus meiner und der noch jüngeren Generation, die diese religiösen Verordnungen so rigoros einhalten. Mehr als die Hälfte meines Bekanntenkreises betet sehr unregelmäßig im Monat, viele gar nicht mehr. Und wie sieht es mit den weiteren Pflichten aus? Um dies den Leuten zu verdeutlichen, wollte ich gerne diesen Beitrag schreiben und Dr. Blumes Erläuterungen zum stillen Rückzug der Muslim*innen genauer beschreiben und mit weiteren Beispielen weiter ausführen. Eine Freundin, die das Buch ebenfalls gerade liest, hat mir mit dem Text und vielen weiteren Beispielen aus ihren eigenen Erfahrungen und ihren Beobachtungen geholfen.

Falls Ihr Fragen oder selber besondere Erfahrungen oder Beobachtungen gemacht habt, die eurer Meinung nach in diese Liste gehören, schreibt mir diese doch, indem ihr mir im Kommentarbereich eine Nachricht hinterlasst.

Für die Nicht-Muslim*innen unter euch: Hier ist kein Platz für Rassismus, Sexismus oder Religionsfeindlichkeit. Bleibt offen, konstruktiv und dem Grundgesetz treu, andernfalls werden Kommentare nicht freigeschaltet.

Für die Muslim*innen unter euch: Auch euch bitte ich um Offenheit und Konstruktivismus. Bitte versteht diesen Text nicht als Angriff auf eure Religion. Er dient lediglich als ein Erfahrungsbericht einer Person, welche die Entwicklungen innerhalb der muslimischen Gemeinde beschreiben und einen Einblick in das Alltagsleben der Muslim*innen geben möchte. Ich finde nämlich, dass Nicht-Muslim*innen ein zu pauschales und abstraktes Bild von einer viel zu diversen Gruppe haben, als das dieses weiterhin in den Köpfen dieser Menschen existieren dürfte.

 

Ich habe zu den verschiedenen Themen einige Punkte zu meinen Beobachtungen aus der muslimischen Gemeinde niedergeschrieben, welche meiner Ansicht nach den stillen Rückzug der Muslim*innen gut beschreiben.

 

Gebet:

Ich kenne aus meinem Bekanntenkreis aus meiner oder gar der jüngeren Generation nicht mal mehr eine Handvoll Menschen, die regelmäßig beten.

  • viele beten gar nicht mehr
  • viele beten nur noch selten (vielleicht ein paar Mal im Jahr, aber nachdem die guten Vorsätze vom regelmäßigen Beten wieder mal in der Tonne gelandet sind, werden die schlechten Gewissensbisse für das Nichteinhalten der Vorsätze eine Weile zum ständigen Begleiter)
  • einige gehen nach der Aufforderung der Eltern zum Gebet ins Zimmer, schließen die Tür und tun später so, als ob gebetet wurde
  • bei Anwesenheit anderer Personen (z.B. Gemeinschaftsgebete) stellen sich einige tatsächlich hin und machen die Gebetsbewegungen, aber ohne in Gedanken beim Gebet zu sein

Fasten:

Auch beim Fasten kenne ich inzwischen sehr wenige, die im Ramadan konsequent fasten. Was oft passiert:

  • bei jeder sich ergebenden Gelegenheit doch etwas trinken, z.B. im Badezimmer etwas Wasser vom Wasserhahn
  • in der Stadt Gebiete aufsuchen, die i.d.R. nicht von Bekannten und Verwandten aufgesucht werden (z.B. Berlin-Marzahn), um da etwas zu essen
  • Während der Menstruation ist es Frauen „nicht gestattet“ zu fasten, da sie als „unrein“ gelten
    • da werden z.B. aus den 4 Menstruationstagen mal eben locker 7 Tage
    • dennoch bewahren viele Frauen aus Schamgefühl den Schein, zu fasten
  • neben der Menstruation gibt es weitere Phasen, in denen Menschen nicht fasten können oder sollten, z.B. bei (chronischen) Erkrankungen, Stillzeit, kurzfristigen Reisen
    • dennoch werden aus Gründen der Scham, der Repräsentation und des gesellschaftlichen Drucks betroffene Menschen dazu angehalten, den Schein zu wahren. Dies hat negative Folgen, wenn Menschen trotz berechtigten Gründen erfahren, dass hier weniger Wert auf Religion als vielmehr auf Schein gelegt wird.
  • bei Prüfungen und Sport wird oft nicht gefastet

Moscheen:

Auch hier gilt: aus meinem Bekanntenkreis finden sich kaum noch Menschen, die zur Moschee gehen. Hierfür finden sich verschiedene Gründe, besonders für Frauen:

  • die Sitzgelegenheiten und Räumlichkeiten für Frauen sind i.d.R. kleiner und unbequemer als die für Männer
  • Trotz kleinerer Räumlichkeiten werden Kinder von den Müttern bzw. Frauen betreut. Das hat Folgen: Für Kinder in einem gewissen Alter gehört es nun mal dazu, sich zu bewegen, zu toben und laut zu sein. In den bereits schon kleineren Räumlichkeiten kann das Toben der Kinder sehr unangenehm und peinlich für die erziehende Person werden. Aus Gründen der empfundenen Peinlichkeit und der fehlenden religiösen Atmosphäre gehen Mütter und Frauen nicht mehr gerne zur Moschee. Denn wieso auch, wenn der Moscheebesuch kein Ort der Religiosität und kein Raum für gesellschaftlichen Anschluss mit anderen Religiösen bietet und nur zu einem weiteren Ort der Kinderbetreuung mutiert?
  • selten werden Programme und Angebote wie Reisegruppen, Kulturaustausch, Tagesausflüge, Lesungen etc. angeboten
  • die meisten Moscheen sind nicht barrierefrei:
    • oft befindet sich die Moschee selbst in einem Gebäude (meist ohne Aufzug) in den oberen Etagen
    • gelegentlich befinden sich die Räumlichkeiten für Frauen innerhalb der Moschee wiederum selbst auf einer erhöhten Etage, die nur mit Treppen zu erreichen ist
  • Sitzmöglichkeiten auf dem Boden sind nicht jedermanns Sache: sie sind unbequem und für manche wegen Kniebeschwerden schwer zu ertragen
  • Obwohl Frauen oft bei den Essensvorbereitungen massiv mithelfen, wenn nicht sogar die einzigen sind die die Arbeit machen, indem sie z.B. schon zu Hause etwas für die Moscheenbesucher zubereiten, wird ihnen das Essen i.d.R. nach den Männern serviert und oft passiert es, dass dadurch das Essen für die Frauen und Kinder dann knapp wird!
  • Frauen, die kein Kopftuch tragen, müssen in fast allen Moscheen beim Besuch ein Kopftuch tragen, sei es aus gesellschaftlichem Druck, wegen Repräsentationsgründen, aus Angst vor einem schlechten Ruf oder aufgrund tatsächlicher Vorgaben der Moschee

Verlobung, Hochzeit und das ganze Chaos Drumherum:

Das ist ein sehr komplexes Thema, bei dem fast jeder hier in Deutschland lebende religiöse Mensch einzigartige, auf andere Personen schwer übertragbare Erfahrungen macht. Ich kann nur einiges hier umreißen. Weitere Erfahrungen könnt Ihr mir gerne im Kommentarfeld weiter unten schreiben, damit ich sie hier in die Liste aufnehmen kann.

In Deutschland haben sich viele unterschiedliche Möglichkeiten entwickelt, wie Muslim*innen mit der „Problematik“ umgehen, wenn sie meinen, eine Person „gefunden“ zu haben, die sie gerne näher kennenlernen und mit der sie evtl. zusammenkommen möchten. Nicht zuletzt haben diese diversen Möglichkeiten ihren Ursprung in der akzeptierten Herangehensweise bzw. der „Tradition“ der jeweiligen Familien selbst. Ich sage hier Tradition der jeweiligen Familien, weil ich erlebt habe, dass es nicht nur gravierende Unterschiede zwischen den ethnischen Gruppen (z.B. türkisch vs. irakisch vs. marokkanisch vs. persisch etc.) und den verschiedenen Konfessionen gibt, sondern auch Unterschiede zwischen regionalen Gruppierungen aus dem „ursprünglichen Heimatland“ und gar alte und neue, erst hier in Deutschland entwickelte Familientraditionen aka Wünsche existieren. Sogar innerhalb einer Familie können so verschiedene Herangehensweisen auftreten.

Bei einigen muslimischen Familien gibt es „zwei“ Arten von „Hochzeiten“. Warum die Anführungszeichen? Nun, das ist etwas kompliziert, aber um das einfach auszudrücken, handelt es sich bei diesen zwei Arten um etwas Ähnliches wie eine Verlobung und eine „richtige“ Hochzeit. Bei einigen (vielen?) Muslim*innen existiert das sogenannte Katb el-Kitab. Einige handhaben es wie eine gewöhnliche Verlobung nach einer vorangegangen, langen Kennenlernzeit mit einer darauf folgenden Hochzeit.

In anderen Familien ist es nicht gerne gesehen, dass sich zwei Menschen nahe kommen und alleine unterwegs sind, ohne dass bereits schon zu Beginn etwas vereinbart wurde. Um eine „Anstandsdame“ zu vermeiden, wird ein islamischer Ehevertrag unterschrieben, der Katb el-Kitab. Diese islamische Form der Ehe hat in Deutschland meines Wissens keine rechtliche Gültigkeit, wenn sie hier in Deutschland durchgeführt wurde. Der Katb el-Kitab ermöglicht in dem oben beschriebenen Fall den zwei Menschen, sich relativ frei und ohne Aufsicht zu bewegen, ohne dass andere über sie und ihre Verbindung „unangemessene“ Mutmaßungen anstellen können…

Hier kommt nun eine weitere Unterdifferenzierung. Während einige Familien den Katb el-Kitab als eine Art Verlobung sehen, bei der Sex-vor-der-Ehe oder das Zusammenwohnen nicht mitinklusive sind, sehen andere Familien den Katb el-Kitab als eine vollwertige Eheschließung mit All-Inclusive an. Wieder andere verstehen unter dem Katb el-Kitab eine Art „kleine Hochzeit“ mit den engsten Verwandten als Gästen.

Die „eigentliche „richtige“ Hochzeit ist eine größere Feierlichkeit, bei der die Partner danach definitiv zusammen leben „dürfen“.

Weitere Mischformen existieren noch zusätzlich. Je nachdem, aus welchem ethnischen Kreis die Paare stammen oder gar nur einer der Partner, können Rituale aus dem ursprünglichen Herkunftsland in die Herangehensweisen und Feierlichkeiten miteinfließen, z.B. Sofreh Aghd bei den Persern.

Auf jeden Fall utilisieren viele (junge) Muslim*innen diese Herangehensweisen, um im Rahmen der vorherrschenden Religiosität ihrer (Sub-)Gemeinschaften der geliebten Person nahe sein zu können und weniger weil sie an eine religiöse Regelung glauben. Diese Herangehensweisen verkomplizieren das Zusammenkommen und Zusammensein mit einer Person, andererseits gehört für einige der Katb el-Kitab zu den wenigen Möglichkeiten, mit jemandem „offiziell“ zusammen zu kommen, ohne gleich „richtig“ heiraten zu müssen. Auch die älteren Familienmitglieder sind sich dieser Problematik bewusst. Weil sie Angst um ihr Ansehen innerhalb ihrer Gemeinschaft haben, versuchen auch sie das Zusammenleben ihrer Kinder in einen „religiös-offiziellen“ Rahmen zu kleiden und schauen oft bei Fehltritten der eigenen Kinder weg oder vertuschen sie. Weitere Beobachtungen:

  • Partner*in hat nicht dieselbe Religionszugehörigkeit: einige versuchen es auf die „schnelle & schmerzfreie“ Art, indem sie das erforderliche Glaubensbekenntnis nachholen, das darin besteht, den Satz „Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Prophet“ zu sagen. i.d.R. wird dieses Glaubensbekenntnis nirgendwo schriftlich dokumentiert. Dass dieses Glaubensbekenntnis meist ein „Lippenbekenntnis“ ist, wissen die meisten, auch die ältere Generation. Denn auch hier gilt: Die Eltern wollen meist den Schein innerhalb ihrer Gemeinschaft wahren und wünschen sich dieses Bekenntnis von dem/der andersgläubigen oder nicht-gläubigen Partner*in.
  • Wenn der/die andersgläubige oder nicht-gläubige Partner*in eigene Sitten bezüglich Eheschließungen hat, passiert es oft, dass unabhängig vom religiösen Teil der Familie eine weitere, gesonderte Hochzeit stattfindet, bei der z.B. auch Alkohol, Schweinefleisch etc. serviert werden
  • die gemeinsame Wohnung wird etwas fern der Verwandtschaft gesucht, damit nicht-religiöses Verhalten praktiziert werden kann und um dem Gefühl der ständigen Überwachung zu entkommen

Essen & Trinken:

Hier einige triviale Beobachtungen:

  • Es interessiert Personen oft nicht, ob Fleisch entsprechend der religiösen Verordnungen geschlachtet wurde. Diese Regelung wird mal mehr, mal weniger streng ausgelegt.
    • einige achten darauf, ob sämtliches Fleisch mit Ausnahme von Fisch nach Vorschrift geschlachtet wurde
    • andere machen Ausnahmen bei Hähnchen
    • wieder andere sagen, es müsse in der heutigen Gesellschaft ausreichen, vor dem Essen um Gottes Segen zu bitten, dann spiele die Schlachtungsweise keine Rolle
  • Schweine-Gelatine ist ein ambivalentes Thema
    • sehr wenige achten konsequent darauf, ob Schweineprodukte in ihrem Essen vorkommen. Die Einhaltung ist sehr mühsam, da dies von den Personen Kenntnisse der Nummern der Emulgatoren mit Schweineprodukten erfordert. Besonders schwierig wird die Einhaltung bei Süßigkeiten wie Gummibärchen xD
    • d.R. probieren Muslim*innen sich daran, aber den meisten ist die ständige Untersuchung des Kleingedruckten langfristig zu nervenaufreibend und bei Süßigkeiten machen noch mehr eine dicke Ausnahme
    • einige Muslim*innen meinen, Produkte, welche im selben Öl gebraten werden wie andere Schweineprodukte, seien ebenfalls verboten. Ähnlich wie bei den Süßigkeiten kümmert es die meisten auch hier nach einer Weile wenig, da das Essen mit Freunden in Fast-Food Läden und Restaurants zu schwierig wird
  • Alkohol ist ein Thema für sich…probiert haben ihn die meisten Muslim*innen, auch (und gerade) die ältere Generation
    • oft passiert es, dass sich die Personen im Urlaub, fern der Heimat und der Bekanntschaft, über Cocktails an Alkohol ran tasten und irgendwann ihre Lieblingsgetränke wie Federweißer, Eiswein oder Pflaumenwein entwickeln
    • nach einer Nacht mit viel Alkohol bleiben die Nachkommen meist dem elterlichen Zuhause fern, um ihren Rausch auszuschlafen. Viele Eltern ahnen, warum, aber stellen keine Fragen, um den Schein zu wahren

Kopftuch:

Die Erfahrungen mit dem Kopftuch sind sehr divers. Ich werde sie nicht alle hier auflisten.

  • einige Frauen, die das Kopftuch lange getragen haben, machen das irgendwann nur noch aus Gewohnheit
    • dies trifft vor allem auf die Anfangszeit von geflüchteten Menschen zu, in deren Heimatländern das Tragen des Kopftuchs die Regel oder gar eine Pflicht ist
  • Fern der Bekannten wird im Urlaub das Kopftuch probeweise abgelegt. Nach einigen Wiederholungen wird das Kopftuch anschließend auch zu Hause ganz abgelegt
  • einige Frauen möchten ihr Kopftuch ausziehen, da sie nicht mehr an dessen religiöse Bedeutung glauben, tun dies aber aus verschiedenen Gründen (noch) nicht
    • ein naher Verwandter bekleidet eine wichtige Rolle innerhalb der religiösen Gemeinschaft und aufgrund von (eingebildetem) gesellschaftlichem Druck wird das Kopftuch beibehalten
    • eine Frau fürchtet eine gesundheitliche Gefährdung des Vaters, welcher eine lange Vorgeschichte von Herzinfarkten hat
    • eine Isolierung aus der bestehenden Gemeinschaft wird befürchtet, da die meisten befreundeten Frauen ein Kopftuch tragen

Einfluss anderer Religionen und Philosophien:

Eine interessante Entwicklung, die ich inzwischen bei vielen Muslim*innen beobachte:

  • Philosophien anderer Kulturen insbesondere aus der buddhistischen Richtung werden Häppchenweise übernommen
  • viele kennen die historischen Ereignisse um den muslimischen Propheten nicht mal Ansatzweise. Kommt es irgendwann zu einer genaueren Auseinandersetzung und Recherche der historischen Schlachten, Kriegsführungen und Intrigen, sind viele schockiert.
    • „Diese kriegerische Seite des Islam kannte ich nicht und weiß nicht, wie ich sie mit meiner friedvollen Vorstellung meiner Religion in Einklang bringen kann.“ -> führt dazu, dass sich diese Menschen eine „eigene“ Vorstellung ihrer Religion machen und gewisse Aspekte ihrer Religion ausklammern
    • Zusammenschustern von Islam und der friedvollen Seite des Christentums aka „Wenn dich einer auf die linke Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin“
  • die meisten jungen Menschen sind es jedoch irgendwann müde, mit Muslim*innen und Nicht-Muslim*innen über Islam, die Ausübung von Pflichten etc. zu reden, zu diskutieren und sich zu rechtfertigen und ziehen sich langsam aus solchen Diskussionen zurück, finden Wege, diese Themen zu umgehen. Oft nicken sie alles ab, um ihre Ruhe zu haben.

 

Mir ist klar, dass diese „Liste“ nur einen winzigen Abriss der diversen Verhaltensformen aufzeigt, wie sie im realen Leben viele Menschen unter den jeweiligen religiösen Lebensweisen erleben. All diese Verhaltensweisen sind ein Ausdruck des ständigen Erprobens und Anpassens junger Menschen, die dafür dazu gezwungen sind, mit verschiedenen Werten und Prinzipien in einer sich nur langsam verändernden Umgebung zu jonglieren.

Ich behalte mir vor, diese Liste in Zukunft weiter zu vervollständigen.

Ich danke Dr. Michael Blume für das tolle Buch „Islam in der Krise: Eine Weltreligion zwischen Radikalisierung und stillem Rückzug“. Auch für mich waren die darin beschriebenen Theorien und Erkenntnisse eine Bereicherung, die mich dazu inspirierten meine eigene Vergangenheit und Gegenwart aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

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Ein Gedanke zu „Der stille Rückzug: Ein Erfahrungsbericht

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