Trichoplax adhaerens – Ein Meeresbewohner aus dem Stamm der Placozoa

Trichoplax in Kultur und asexuelle Reproduktion von Trichoplax adhaerens
Abb. 1 Trichoplax adhaerens kultiviert unter Laborbedingungen (a) und dessen asexuelle Reproduktion (c-e). Balken: 20 µm. Modifiziert nach Srivastava et al. (2008), veröffentlicht in Nature 454, 955-960, Lizenz: Creative Commons Attribution-Non-Commercial-Share Alike 3.0 Unported (CC BY-NC-SA 3.0).

Der rein marin vorkommende Organismus Trichoplax adhaerens ist die bisher einzige anerkannte Art des Stammes der Placozoa (Scheibentiere) und zählt zu den basaleren Metazoen. Die phylogenetische Position der Placozoa innerhalb der Metazoen ist jedoch umstritten. Aufgrund ihrer simplen Morphologie wurden Placozoa lange Zeit an der Basis der Eumetazoen eingeordnet, wobei diese Hypothese von einer stufenweisen Evolution von einfachen bis hin zu komplexer aufgebauten Organismen ausgeht (Abb. 1a). Eine weitere Hypothese, verteidigt von der Arbeitsgruppe um Schierwater in Hannover, platziert die Placozoa an der Basis der Metazoa und geht von einer frühen Aufspaltung der beiden Schwestergruppen, den Triploplasten und den Diploplasten, und einer folgenden parallelen Evolution der beiden Schwestergruppen aus, wobei die Placozoa die basalere Position neben den Schwämmen, den Ctenophoren und den Cnidariern innerhalb der Diploblasten einnehmen (Abb. 1b). Read more

Mr. Sky – Gedicht

Warmed By The Drift by Jourdan Laik
Warmed By The Drift von Jourdan Laik. Lizenz: Creative Commons BY-NC-ND 2.0; unverändert; Die Originaldatei ist hier zu finden.

Ich wollt ich wär ein Sternendieb
Hoch oben auf den Dächern wär mein Jagdgebiet
In finsterer Nacht zu später Stunde
Tanzte ich auf den Dächern ein Lachen im Munde
die Sterne pflückte ich vom Himmelszelt
mein Spielplatz wär die ganze Welt
Früher war ich wahrlich reich
erbeutete Sterne mit dem Nachthemd ganz leicht
bedeckte es gänzlich mit Sternenstaub
so wie im Herbst alles bedeckt ist mit Laub
Seit Jahren bin ich aber arm statt reich
da du geizig warst für lange Zeit
Mit wenig Sternenstaub ging ich durch die Welt
doch es war nur versteckt, dein Sternenzelt

Jemand zeigte mir wo du so lange warst
und durch das Wiedersehen war ich wirklich entzückt
Von neuem hatte die Jagd begonnen
und ich durchtanzte die Nacht berauscht von Glück

Doch als ich den Blick zur Seite wandte
erkannte ich einen neuen Stern
So groß und hell, dass mein Herz entbrannte
mit ihm würd mein Reichtum immer währn

Ein letztes Mal griff ich nach den Sternen
bevor ich verschwand, die Jagd war vorbei
Doch ich war nicht allein und würds nie mehr werden
und der Abschied war leicht: Bye, bye Mr. Sky!

Dieses Gedicht ist wiederum eine Antwort auf Knox‘ Gedicht Bye, bye, Mr Sky.

Pervers: Wider der Natur – Gedicht

Du kannst es nicht lassen

Als Gottes Krönung nach den Sternen zu fassen

Machst es nicht aus Instinkt

Nein, nach Lust und Gier dein Wesen stinkt

Verlangst viel von der Natur

Und lässt von der heimischen Welt keine Spur

Gibt dir Reinheit, Schönheit, Glanz

Ja, macht dich so keusch und herrlich ganz

Der Schrei des Reihers ist längst verklungen

Dein feuerglühendes Herz hat alles verschlungen

Seidenhaut glänzt an deinen Armen

Fremd ist ihnen das göttliche Erbarmen

In dein Herz lodern unerschöpfliche Träume

Entzünden den Schmerz der jungen Bäume

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Selfish von Yuumei aka Wenqing Yan.

Steigt das Schwarze in den Himmelsbogen

Wird ihr Klagen in der Luft gewogen

Überziehen der Erde Kinder mit Aschenglut

Doch strahlest du neu wie Feuerglut

 

Lange hat sie ausgeharrt auch ohne dich und wird immer stehen

Nur du wirst alsbald untergehen

„So rein, so fein, so weiß und weich“*

So unbekümmert engelsgleich

Dreh dich um, dreh dich um mein Engelein

Blicke hinaus über den schönen Schein

Erkennst du es denn wirklich nicht

Dein Perverses Meisterstück?

 

 

 

 

*nach Clemens Brentano „Gockel, Hinkel und Gackeleia“

Establishment of a cell micropatterning method for the quantitative assessment of the organization of the keratin filament network

cell micropatterning keratin intermediate filament.jpg
Cell micropatterning – a powerful tool to control cell shape.

Im folgenden findet ihr hier meine Masterarbeit. Die Arbeiten dazu habe ich am Institut für Molekulare und Zelluläre Anatomie der Uniklinik RWTH Aachen unter Aufsicht von Rudolf Leube und Reinhard Windoffer durchgeführt. Ich stelle meine Arbeit hier hoch, in der Überzeugung, dass das an der Universität erlangte Wissen ein Gemeingut darstellt, welches der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden muss. Forschung, wie sie an Universitäten durchgeführt wird, ist nur mit Hilfe öffentlicher Zuwendungen z.B. durch entsprechende Förderprogramme der Regierung möglich, welche steuerlich finanziert werden. Aus diesem Grund hat die Öffentlichkeit ein Recht auf den freien Zugang zu dem erlangten Wissen und dieses Wissen sollte ihm nicht durch das Closed Access Monopol akademischer Verlage vorenthalten werden können! Wissen, das mit Hilfe gesellschaftlicher Mittel gewonnen wurde, sollte nicht privatisiert werden dürfen, was heute in vielen Fällen faktisch der Fall ist. Durch das Hochladen dieser Arbeit möchte ich meinen Dank an all die Menschen zum Ausdruck bringen, welche mir diese wundervolle Chance ermöglicht haben, an der Forschung beteiligt zu sein. Danke!

I Abstract
Cells are highly sensitive to physical and mechanical cues arising within the microenvironment, which have important effects on cellular processes and subsequent biological responses. The cytoskeleton plays a pivotal role in sensing biomechanical cues and translating it into biochemical signals but it is also of vital importance as a stress-bearing structure for maintaining cell integrity and stability by reorganizing single cytoskeletal elements upon mechanical stimulation. The keratin intermediate filament network contributes to the mechanical resilience of epithelial cells by undergoing a continuous cycle of remodeling in response to mechanical forces. Alterations of the keratin dynamics are difficult to quantify in cells grown under classical culture conditions since the cell shape is transitory due to uncontrollable cell polarity, migration and division. Adhesive micropatterns enable control over cell shape and function. This work explores the possibility to manipulate cell shape and size through cell micropatterning techniques in order to enable an easier quantification of the keratin filament distribution.

In the course of the experiments, stencil patterning was established as the preferred method of choice due to its superior performance in fabricating accurately shaped micropatterns with a uniform and homogeneous protein coating. Micropatterns with different sizes and shapes were designed and the optimal sizes and shapes for a high yield of single cells of selected cell lines was ascertained. The results obtained from normalized cells indicate that the keratin intermediate filament network does not respond to local geometrical cues because differently shaped cells revealed similarities in the average distribution of the keratin intermediate filaments. Nonetheless, the results demonstrate the utility of cell micropatterning for quantitatively assessing the contribution of the cytoskeleton to cellular behavior. The establishment of stencil patterning and the subsequent results of this work motivate further extensive investigations of the keratin intermediate filament network, as well as its interplay with other cellular components.
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Fallschirmsprung trotz Höhenangst – Ein Erfahrungsbericht: Skythief mal anders definiert

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Bereit für einen Tandem-Fallschirmsprung? Final destination mal anders o_O!

Es begann alles mit einem Geburtstagsgeschenk für meinen jüngeren Bruder. Er hatte die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten, eine davon war ein Tandem-Fallschirmsprung in/um Berlin. Das Angebot war verlockend für ihn, aber die Aussicht so ein Wagnis allein einzugehen, ließ ihn noch zögern. In diesem Moment seines Zögerns beging ich den Fehler, ihm anzubieten, mit zu springen. Dabei habe ich eigentlich Höhenangst! Höhenangst in dem Sinne, dass mir beim Anblick von Höhen die schlimmstmöglichen, entsetzlichsten, grausamsten Vorstellungen, wie ein Sturz schief gehen könnte, durch den Kopf schießen und mir wegen meiner eigenen Vorstellung schwindelig und übel wird.

Als ich ihm anbot, mitzumachen, habe ich sehr daran gezweifelt, dass ich vor meiner baldigen Abreise noch einen gemeinsamen Termin für einen Tandem-Fallschirmsprung in der Nähe finden könnte. Ich wollte ihn nur dazu bewegen, einfach Ja zu sagen, auch wenn ich nicht mitspringen würde, denn ich war schon überzeugt, dass ich nicht springen würde… aber da ich das Spiel begonnen hatte, musste ich es auch zu Ende spielen. Nach ein paar Recherchen und einem einzigen Anruf stand ich vor der Tatsache, dass in vier Tagen ein gemeinsamer Termin feststand 😱 Ein Rückzieher stand nicht mehr zur Option 😭 und irgendwie übte die Vorstellung, über den Wolken zu sein auch auf mich mit meiner Höhenangst eine Faszination aus, Nervenkitzel vorprogrammiert. Read more

Mein persönlicher Kompass – nach dem #personalcompass von Joel Gardner

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Mein persönlicher Kompass

Der in diesem Artikel gezeigte #personalcompass ist ein von Joel Gardner inspiriertes Konstrukt. Es soll die für eine Person wichtigen persönlichen Werte und Ziele bildlich darstellen. In Anlehnung an Joels Darstellungsweise habe ich versucht, selbst einen persönlichen Kompass zu erstellen und habe dabei festgestellt, dass eine Visualisierung der eigenen Ziele und die Formulierung von Wegpunkten, welche zu der Erfüllung dieser Ziele führen, mir geholfen hat zu erkennen, was mein langfristiges Ziel ist und welche Tätigkeiten, Charaktereigenschaften oder Lebensbereiche zu der Erfüllung des Ziels beitragen können. Read more

Taboulé – Mehr als ein libanesischer Salat

Taboulé
Taboulé (تبولة) – ein leckeres, süchtig-machendes libanesisches Gericht!

Ich habe bei einigen Gelegenheiten und Besuchen den libanesischen Salat Taboulé zubereitet. Sehr oft wurde ich gefragt, wie Taboulé zu machen ist und ob ich ein Rezept dazu aufschreiben könnte. Dieser Blog war zwar ursprünglich nicht für das Niederschreiben von Rezepten gedacht, aber da so viele danach gefragt haben, dachte ich, dass ich dieses Rezept auch mit euch allen teilen könnte.

Taboulé wird zwar oft als Salat bezeichnet, aber sie kann viel mehr als ein Salat sein. Taboulé ist ein Gericht, das sowohl als Salatbeilage aber auch als Vorspeise, Hauptspeise und für den kleinen Hunger zwischendurch als Zwischenmahlzeit serviert werden kann. Meine Empfehlung ist, viel davon zu machen, denn es ist leicht, süchtig danach zu werden und ich spreche da nicht nur aus meiner eigenen Erfahrung. Wenn meine Mutter Taboulé zubereitet hat, habe ich allein die Menge, die für 4-5 Personen gedacht ist, gegessen und wurde entsprechend wütend angefunkelt ;p Read more

Dream – A Shortstory

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The Wanderer I by S. T. under CC BY-NC-ND 2.0 license.

You robbed me of my emotions, you took away my freedom, with a knife you embroidered my fears and pains on my skin and transformed me into a freak.

Of course, I know you are waiting and watching me. I can feel your lifeless eyes burn my skin. I don’t want to give you the satisfaction of my gaze, so I walk through the emptiness that seems crowded, and feel comfortable in the screaming silence. So many times I have dreamed of this breath-taking moment in which I would leave you to die and to cease to exist. It’s like seeing a great eternal dream.

I still can recall how you had panicked and had futilely struggled to get away. The wide-eyed look of horrified fear had sent delicious shivers down my spine, causing those shivers to ripple across my skin. I couldn’t get enough. I had felt a primal need for more. Fear- I could smell the tainted traces of fear. Yours. I wanted to drink it in as I planned to swap away your very existence from the face of earth. And then the stabbing and twisting of the knife into tender flesh as scarlet satin painted the wall. Taking pleasure, perverse pleasure, in watching those dark eyes of yours widen in shock, in realization, in terror-

How can I describe it? Taste of tenderness in cruelty, sense of urgent desire in cold eyes. Read more

Cell micropatterning und die schönen Künste

Cell Micropatterning
Retinae Pigmentepithelzellen (RPE1) kultiviert auf Anker-förmige Mikrostrukturen. Gefärbt ist das Aktin-Zytoskelett (grün) und das Protein Transferrin (rot). Aus Grossier et al. (2014) veröffentlicht in The EMBO Journal; approved permission request by John Wiley and Sons.

Wenn unter Künsten die schönen Künste verstanden werden, ist für mich Cell micropatterning die Ikone der Kunst in der Zellbiologie schlechthin.

Was versteht man unter Cell micropatterning?

Cell micropatterning steht für eine Vielzahl von verschiedenen Methoden, welche die genaue Kontrolle über die Zellform und Zellpositionierung auf einem Substrat gemeinsam haben. Zum Beispiel ist es möglich, einzelne Zellen in Form eines Kreises, Vierecks, Dreiecks oder gar eins Sterns oder Mondes zu kultivieren.

Um zu verstehen, wie Zellen eine solche Form annehmen können, muss man wissen, dass Zellen in ihrer natürlichen Umgebung, d.h. in vivo von einem komplexen Netzwerk von sezernierten Proteinen und Kohlenhydraten umgeben sind, bestehend z.B. aus Fibronektin, Collagen oder Laminin, zusammengefasst unter dem Begriff extrazelluläre Matrix (EZM). Die extrazelluläre Matrix dient einfach ausgedrückt als Fixierungsmöglichkeit für Zellen. Ferner reguliert die EZM-Zell-Interaktion das Verhalten der Zelle während des Zellwachstums, der Proliferation, der Differenzierung oder der Zellmigration.

Wenn nun die extrazelluläre Matrix als eine Fixierungsmöglichkeit, also als ein Adhäsionsvermittler (banal formuliert als eine Art „Kleber“) dient, bedeutet das, dass sich Zellen auf diesen adhäsiven Regionen ansiedeln können. Read more

Als Superheld weniger nervös durch die Präsentation?

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Nervosität kann beim Vortragen vor einem Publikum nicht nur die Qualität des Vortrags sehr beeinträchtigen, sondern auch die eigene Selbstwahrnehmung.
Bild: Vector Open Stock; Lizenz: C Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported; Die Originaldatei ist hier zu finden.

 

Erinnert Ihr euch an meine Überlegung, sich für Reden oder Seminare ein Alter Ego zu erschaffen? Ich habe lange darüber nachgedacht, welche Person mir als Alter Ego dienen könnte, zumal ich in letzter Zeit zwei Referate in kurzem Abstand halten musste und in den kommenden Wochen auch weitere folgen werden. Es war sehr schwierig eine Person zu finden, in deren Haut ich während Seminaren schlüpfen wollte. Ich habe von historischen Figuren wie Simone de Beauvoir bis hin zu Personen, denen ich begegnet bin so ziemlich alle in Betracht gezogen und gleich wieder verworfen. Ich habe mir so lange Gedanken darüber gemacht, dass ich die Idee schon wieder verwerfen wollte, da mir niemand als Alter Ego geeignet schien. Bis ich durch eine alberne jedoch für mich gut funktionierende Aktion auf das richtige Alter Ego gekommen bin! Alles begann damit, dass ich vor einiger Zeit einige Artikel gelesen habe, welche sich mit dem Einfluss von Körperhaltung und Körpersprache bei Gesprächen mit einem Vorgesetzten bzw. mit Autoritätspersonen auseinandersetzten. Sie lieferten zudem hilfreiche Tipps zur Kontrolle der eigenen Nervosität und zur Stärkung des Selbstvertrauens. Read more

Die Spuren, die ein Studium hinterlässt

Nachdem ich meine Masterarbeit abgegeben und meine Abschlusspräsentation gehalten hatte, wollte ich mich eigentlich auch gleich an meine Recherchen für meine Doktorarbeit machen, obwohl die Doktorandenstelle offiziell 2-3 Monate später anfangen sollte. Damals habe ich mir gedacht, dass ich mir vorher zumindest 1 Woche frei nehmen würde, um mich später mit mehr Einsatz an die Arbeit machen zu können.

Dann wurde ich wieder und wieder krank und all das artete in extreme Rücken- und Nackenschmerzen aus, welche noch bis heute anhalten. Bedingt durch meine angeschlagene Gesundheit verbrachte ich viel Zeit alleine zu Hause. Zum ersten Mal seit langer Zeit habe ich angefangen, mir Gedanken über meine Zukunft und meine bisher im Studium praktizierte Lebensweise zu machen. Mir ist durch den Kopf gegangen, dass ich sehr viele Hobbies wegen der knapper werdenden Zeit aufgegeben habe, dass ich keine Kurse beim Hochschulsport mehr belegte (bzw. generell kein Sport mehr trieb) und auch sonst im privaten Leben vieles zu Gunsten des Studiums aufgeopfert habe wie z.B. lecker kochen, Familie öfter besuchen, eine innige Freundschaft und gute Freundin, Wochenenden frei nehmen und diese auch tatsächlich genießen, Städte erkunden etc. …

Ich habe zwar einen sehr guten Durchschnitt im Master und eine Doktorandenstelle mit einem für mich unvorstellbar tollen Thema in einer exellenten Arbeitsgruppe, die einem mehr Freiraum bezüglich der eigenen Herangehensweise an die Thematik und dem experimentellen Arbeiten erlaubt als so manch andere Arbeitsgruppe, aber das, wie ich jetzt bemerkt habe, zu einem für mich doch zu hohen Preis. Ich frage mich, ob ich es hätte anders machen können, ob ich meinen jetzigen Platz mit einer guten Masterurkunde auch dann gefunden hätte, wenn ich meine Prioritäten anders gesetzt hätte, mit weniger persönlicher Aufopferung und ohne körperliche Beschwerden. Read more

Sexualität im Rollenspiel – Ein Kommentar

Dies ist ein Kommentar zu dem Beitrag Sexualität im Rollenspiel von Arne Babenhauserheide.

In einer Pen & Paper Rollenspielrunde vor etwa zwei Jahren musste u.a. mein männlicher Charakter Neminis eine geschlossene Gesellschaft bestehend aus einflussreichen männlichen Oligarchen infiltrieren, die ihr Geschäft u.a. mit Sklavenhandel betrieben. Hierfür gab sich Neminis selbst als ein Menschenhändler aus, der Weisenkinder aus Krisengebieten aufspürt, sie als Meuchelmörder ausbildet und ihre Dienste, aber auch die ausgebildeten „Produkte“ zum Verkauf stellt. Anders ausgedrückt musste mein Charakter selbst einen profitbesessenen Menschen spielen, der auf die Grundrechte eines empfindungsfähigen Wesens mit Füßen tritt. So kam es, dass Neminis das Angebot eines Sklavenhändlers, der Frauen kauft und ihnen absoluten Gehorsam eintrichtert, ihm für die Nacht eine Liebessklavin zur Verfügung zu stellen, nicht ablehnen konnte. Im Quartier angekommen, war es sehr schwierig, einem tatsächlichen sexuellen Akt auszuweichen, ohne die eigene Tarnung aufzudecken. Seit dieser Runde begleitet die Liebessklavin Kerani Neminis, da sie sich als Besitz von Neminis sieht. Neben dem Versuch Kerani von ihrer Freiheit zu überzeugen und sie abzuschütteln, begleitet sie nun seit jeher Neminis, während dieser versucht ihr ihre Unabhängigkeit begreiflich zu machen. Zwei Jahre später schlitterte Neminis wieder in eine –diesmal eher ausweglose– Situation. Betrunken torkelte er zu seinem Quartier, wurde von Kerani in Empfang genommen und– wachte am nächsten Morgen entspannt, frisch geduscht und ohne jegliche Erinnerung an den vorherigen Abend auf.

Zwar wurde die entsprechende Szene nicht beschrieben, jedoch wurde über den Verlauf des Abends mittels eines Würfelwurfs entschieden, welcher so schlecht verlief, dass jedem Spieler am Tisch klar sein musste, was ingame passiert war.

Als Spielerin saß ich da, dachte an all die Versuche, Kerani verständlich zu machen, dass sie mehr als nur ein Besitz, mehr als eine Sex-/Liebessklavin sein kann, an die vielen Versuche, einen Charakter zu spielen ohne die eigenen Moralvorstellungen und eigenen Prinzipien allzu sehr miteinfließen zu lassen und dass ich es in vielen Momenten nicht geschafft hatte, Neminis Persönlichkeit und meine eigenen Moralvorstellungen voneinander zu trennen.

 

Denn anders als Gewalt ist Sexualität tief im eigenen Selbstbild verankert, und sie zu behandeln verwischt die Grenzen zwischen Spielenden und Charakteren –

 

Ich stimme Arnes Argumentation zu, dass wir wenige Vorbilder zur „Sexualität als etwas normales“ haben, jedoch muss ich gestehen, dass die Intensität und das Erreichen emotionaler Grenzen in diesen Rollenspielrunden andere, wenn auch weiterhin mit Sexualität verbundene Gründe hatte.

Eine Liebessklavin, die sich als Besitz des Charakters sieht-

Eine Liebessklavin, über die der Charakter Macht besitzt-

Eine Liebessklavin, über deren körperlichen und geistigen Zustand und deren Schicksal der Charakter die Gewalt hat-

Der Grund für die erlebte Spielintensität lag u.a. darin, dass die im Spiel beschriebene Sexualität um die Attribute Gewalt und Macht erweitert wurde. Read more