Fallschirmsprung trotz Höhenangst – Ein Erfahrungsbericht: Skythief mal anders definiert

finaldestination Skydiving Tandemsprung
Bereit für einen Tandem-Fallschirmsprung? Final destination mal anders o_O!

Es begann alles mit einem Geburtstagsgeschenk für meinen jüngeren Bruder. Er hatte die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten, eine davon war ein Tandem-Fallschirmsprung in/um Berlin. Das Angebot war verlockend für ihn, aber die Aussicht so ein Wagnis allein einzugehen, ließ ihn noch zögern. In diesem Moment seines Zögerns beging ich den Fehler, ihm anzubieten, mit zu springen. Dabei habe ich eigentlich Höhenangst! Höhenangst in dem Sinne, dass mir beim Anblick von Höhen die schlimmstmöglichen, entsetzlichsten, grausamsten Vorstellungen, wie ein Sturz schief gehen könnte, durch den Kopf schießen und mir wegen meiner eigenen Vorstellung schwindelig und übel wird.

Als ich ihm anbot, mitzumachen, habe ich sehr daran gezweifelt, dass ich vor meiner baldigen Abreise noch einen gemeinsamen Termin für einen Tandem-Fallschirmsprung in der Nähe finden könnte. Ich wollte ihn nur dazu bewegen, einfach Ja zu sagen, auch wenn ich nicht mitspringen würde, denn ich war schon überzeugt, dass ich nicht springen würde… aber da ich das Spiel begonnen hatte, musste ich es auch zu Ende spielen. Nach ein paar Recherchen und einem einzigen Anruf stand ich vor der Tatsache, dass in vier Tagen ein gemeinsamer Termin feststand Ein Rückzieher stand nicht mehr zur Option und irgendwie übte die Vorstellung, über den Wolken zu sein auch auf mich mit meiner Höhenangst eine Faszination aus, Nervenkitzel vorprogrammiert.

Bis zum Tag X wechselte meine Stimmung von positivem Aufgeregtsein, erwartungsvoller Neugier und weit in die Ferne gerichtetem Blick, voller grauenhafter Bilder vor dem inneren Auge.

Es war eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Ich bin überzeugt, ich habe es nur bis in den „Flieger“ geschafft, weil ich mir zwanghaft Mut zugesprochen und meine Furcht mit albernen Aktionen und Posen überspielt habe:

skydiving_mutzusprechen
Ein Versuch, sich Tapferkeit einzureden: locker bleiben und wie ein Superheld posen! So tapfer, wie auf dem Bild zu sehen, habe ich mich eigentlich gar nicht gefühlt…

Und als ich in dem verdammten Flieger saß und die Luftlöcher dafür sorgten, dass mein Magen sich anfühlte, als ob er irgendwo da unten aufkrachen würde, habe ich in meinem Kopf nur noch laut geschrien „ICH WILL RAUS!“. Aber da mein Bruder hinter mir saß und ich ihm das Erlebnis nicht verderben wollte, habe ich mich echt zusammen gerissen T_T. Als wir über den Cumuluswolken waren, konnte ich nicht mehr nach draußen sehen und musste mich stattdessen auf die Gesichter der Insassen konzentrieren. Gut, dass ich unbewusst an diesem Morgen nichts gegessen hatte…

Tja, dann kam der Sprung, was soll ich dazu sagen? Für mich hat mein Leben in meinem Kopf genau da geendet. Ich kann mich nur noch bruchstückhaft daran erinnern, was ich während des Sprungs und des freien Falls gedacht habe: dass die Sonne mich kurz blendete; wie groß die Welt und wie klein und nichtig ich doch bin; wie die Erde am Horizont abgeflacht und abgerundet war und dass die Erde tatsächlich rund ist ;-p

skydiving_dersprung
Der Sprung aus dem Flieger. Sieht atemberaubend aus, aber ich muss gestehen, das war der schreckliste Moment, hier setzte mein Denken fast aus.

Kurz bevor unser Fallschirm geöffnet wurde, sind wir durch eine Cumuluswolke gerast und sie hat sich tatsächlich etwas feucht angefühlt.

skydiving_freierfall
Ich wünschte, ich könnte meine Gefühle zu diesem Zeitpunkt beschreiben, aber die Worte dazu fehlen mir und auch sonst verwischt die Zeit viel zu schnell die Erinnerung an diese intensiven Gefühle.

Was danach folgte, war wunderschön. Vielleicht lag es an dem Adrenalin, vielleicht weil der freie Fall das erschreckendste war, da noch offen blieb, ob sich der Fallschirm auch wirklich öffnet, aber woran es auch lag, den Flug nach dem freien Fall habe ich sehr genossen. Dass ich Höhenangst hatte, habe ich in dem Moment ganz vergessen gehabt.

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Wenn der Fallschirm sich öffnet und die Gewissheit da ist, dass das Leben noch nicht zu Ende ist und das Adrenalin auf dem höhchten Punkt ist: für mich der schönste Moment bei der ganzen Aktion!

Am Ende musste ich trotzdem feststellen, dass ich eine seeehr bodenständige Person bin 😀

Was mir diese Erfahrung gebracht hat? Viel! In den Tagen, Wochen und Monaten danach habe ich gemerkt, wie viel Selbstbewusstsein und Lebensfreude so ein Tandem-Fallschirmsprung mit sich bringt. Besonders im Umgang mit schwierigen Situationen im Arbeitsleben habe ich viel Selbstbewusstsein entwickelt. Wenn ich schon so einen Sprung trotz der nackten Angst, die ich empfunden habe, gewagt und bestanden habe, was ist schon alles andere im Vergleich dazu? Ich habe zwar nach wie vor Höhenangst, aber mir kommt sie nicht mehr so schlimm vor und einen weiteren Tandem-Fallschirmsprung will ich auch noch machen, vielleicht auch Drachenfliegen mal ausprobieren!

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Ich habe mir oft die Frage gestellt, wie ich diese Aktion bloß geschafft habe. Neben der Erklärung, dass ich meinen Bruder nicht enttäuschen wollte, ist einer meiner besten Erklärungsversuche der, dass ich mich an den Tagen vor dem Sprung und am selbigen Tag zwanghaft an die positive Einstellung geklammert habe, welche ich seit Monaten versuche in jeder Situation zu haben. Ich habe entdeckt, dass es mir leichter fällt, Wagnisse einzugehen, wenn ich den Weg dahin und den Erfolg an sich dokumentiere:

  • indem ich Menschen in meiner direkten Umgebung von meinem Vorhaben erzähle,
  • indem ich über Social Media wie Twitter meine Entscheidung öffentlich bekunde und mit anderen darüber rede,
  • indem ich Fotos bis zum Gelingen des Ziels mache,
  • indem ich die notwendigen Utensilien für das Gelingen des Ziels nach und nach kaufe
  • und indem ich ein chronologisches Erfolgsbuch führe.

Ein Vorhaben bzw. eine Entscheidung öffentlich zu bekunden, bringt ein Verpflichtungsgefühl mit sich, das Vorhaben auch tatsächlich anzugehen und in die Tat umzusetzen.

Sich selbst was vorzugaukeln und sich zu betrügen ist leicht, aber die wenigsten Menschen wollen, dass andere einen als einen Drückeberger sehen oder als eine Person, die nur große Reden schwingt und sich nicht an das eigene Wort hält.

Ich merke auch, dass all diese Möglichkeiten einem helfen, sich einen Rückzug zu verbauen. Es wurden ja schließlich so viele Ressourcen in so ein Vorhaben investiert, sowohl von finanzieller Natur als auch an körperlicher und mentaler Arbeit. Das Führen eines Erfolgsbuchs ist ein zusätzlicher Anreiz, die eigenen Erfolge über die letzten Monate aufzulisten und diese später wieder in Erinnerung zu rufen. Ein Blick in sein Erfolgsbuch kann einem in schwierigen Situationen dabei helfen, sich wieder daran zu erinnern, wie weit man doch gekommen ist. Das kann sehr motivierend sein!

Was meint ihr dazu? Habt ihr andere Möglichkeiten und Wege, wie ihr euch dazu zwingt, eure Vorhaben oder eure Vorsätze in die Tat umzusetzen?

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Ein Gedanke zu „Fallschirmsprung trotz Höhenangst – Ein Erfahrungsbericht: Skythief mal anders definiert

  • 13/04/2016 um 10:01 pm
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    Hm ganz erlich, ich finde es bewundertswert wie du es geschaft hast das durchzustehen.
    Es könnte sogar sein das ich das nächste mal mit von der Partie bin^^

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