Abschlussvortrag der Masterarbeit

Marburg Lahnberge

Nachdem ich erst einmal so lange wie möglich ausgeschlafen hatte um zumindest einen Teil des im Studium verpassten Schlafes nachzuholen und dem Versuch, für eine Weile nicht an den Abschlussvortrag zu denken (was mir nicht wirklich gelungen ist), schreibe in nun, wie bereits versprochen, wie es mit dem Abschlussvortrag gelaufen ist. Bereits die Reise nach Marburg entpuppte sich als eine Herausforderung, da ich nicht mit all den Emotionen, die auf mich zustürmten, gerechnet hatte. Dabei waren es nicht die Gedanken an den bevorstehenden Vortrag, die mich etwas überwältigt zurück ließen. Viel schlimmer empfand ich die Erinnerung an das feucht-kalte Klima; den im Winter meterhoch liegenden Schnee und die Eiseskälte, welche durch die Kleider kroch; die winzigen, dunklen, kalten Studentenzimmer, um nicht zu sagen Löcher; die hügelige Stadt, welche das Fahrradfahren unmöglich machte; und nicht zu Letzt die einsamen Stunden und die Sehnsucht nach meiner Familie in Berlin, welche am schwersten zu ertragen war.

Scherzhaft, aber nicht minder ernst meinte ich zu meinem Begleiter, dass ich, wenn es mir in einer zukünftigen Lebenssituation schlecht gehen sollte, müsste ich nur nach Marburg fahren, um mich daran zu erinnern, wie schwer die Zeit, das Studium und das Leben in dieser Stadt waren und ich alle Probleme dennoch, trotz aller Widrigkeiten bewältigt habe. Und tatsächlich habe ich, seitdem ich Marburg verlassen und den Großteil des Studiums absolviert habe, bis jetzt nie das Gefühl gehabt, vor einem unlösbaren Problem gestanden zu haben. Eine der Fertigkeiten, die mich mein Studium in Marburg gelehrt hat, ist der Umgang mit extremst stressigen Situationen und diese (später souverän) zu bewältigen. Mehr lesen

First things first

Es war etwa um diese Zeit vergangenen Jahres, dass ich mit meiner externen Masterarbeit am Institut für Molekulare und Zelluläre Anatomie am UK Aachen der RWTH begonnen habe. Die Arbeit ist jetzt endlich abgegeben und in wenigen Tagen findet mein Abschlussvortrag in Marburg statt, danach bin ich eine freie Frau. Naja, d.h. fast, denn offiziell werde ich Anfang nächsten Jahres meine Stelle als Doktorandin an selbigem Institut in Aachen antreten!

Es hat viel Spaß gemacht, am dem Thema der Masterarbeit zu sitzen und daran zu arbeiten. Im Vergleich zu den gängigen molekularbiologischen-biochemischen Methoden in der Biologie habe ich mich in der Masterarbeit mit einer relativ neuen Methode beschäftigt, die sich cell micropatterning nennt. Im Prinzip geht es darum, Zellen, welche unter klassischen Zellkultur-Bedingungen i.d.R. keine spezifische Zellform aufweisen, mit Hilfe spezieller Methoden dazu zu animieren, ihr Wachstum und ihre Morphologie vordefinierten geometrischen Formen anzupassen. Als sich mir die Aufgabe stellte, diese Methode in der Arbeitsgruppe in Aachen zu etablieren, erwartete ich nicht, wie sehr mir cell micropatterning trotz aller Anstrengungen und Hindernisse Spaß bereiten würde. Das Thema entpuppte sich wie geschaffen für mich, ich, die ja so sehr auf Layout und Gestaltung achte und gerne organisiere. Da bietet sich cell micropatterning in der Biologie als das ultimative Werkzeug für effizientes Organisieren und Gestalten an! Gut, dass ich cell micropatterning auch nach meiner Masterarbeit weiterhin verwenden darf, denn ich bin mir nicht mehr sicher, ob die Biologie und v.a. das Arbeiten mit Primär- bzw. Sekundärzellen ohne cell micropatterning noch einen besonderen Reiz auf mich ausüben würde.

Nächste Woche ist mein Abschlussvortrag, ach ja, das habe ich ja schon bereits erwähnt… Ich hoffe, ich kann meine Begeisterung und die Arbeit, die ich in das Thema investiert habe, während des Vortrags gut zum Ausdruck bringen. Ich stelle es mir nicht leicht vor, eine externe Arbeit, welche ich mir in einem anderen Institut, an einer anderen Universität und in einer anderen Stadt erarbeitet habe, der eigentlichen Arbeitsgruppe an der ursprünglich eingeschriebenen Universität so gut zu erklären, dass verständlich wird, wieviel Arbeit, Mühe, Schweiß, Tränen und oft auch Blut (ja, das ist wörtlich gemeint!) in jedem einzelnen Experiment steckt. Denn am Ende sind es nur die 40 Folien und 30 min des Abschlussvortrags, die ihnen einen Eindruck davon vermitteln können… Drückt mir die Daumen, dass es gut läuft, ich schreibe euch nächste Woche mehr dazu!